Bitte drehen Sie Ihr Gerät
in die vertikale Position

Behandlungspflege

Behandlungspflege umfasst alle pflegerischen Maßnahmen, die ärztlich angeordnet sind und unmittelbar der Behandlung einer Krankheit oder ihrer Folgen dienen. Sie unterscheidet sich von der Grundpflege, bei der es um die alltägliche körperbezogene Versorgung geht – in der Praxis greifen beide jedoch eng ineinander.

Was gehört in der Intensivpflege zur Behandlungspflege?

Hier ist die Behandlungspflege besonders anspruchsvoll und umfangreich. Zu ihr zählen unter anderem:

  • Die Überwachung und Bedienung des Beatmungsgeräts
  • Das Absaugen von Sekret
  • Die Versorgung von Trachealkanüle und Tracheostoma
  • Das fachgerechte Geben von Medikamenten und Infusionen
  • Das Anlegen und Wechseln von Verbänden und die Wundversorgung
  • Die Versorgung von Sonden und Kathetern
  • Die Durchführung von Prophylaxen sowie die kontinuierliche Kontrolle der Vitalwerte
  • Das Erkennen von Komplikationen und das Handeln im Notfall.

Wer darf Behandlungspflege erbringen?

In der Intensivpflege erfordert die anspruchsvolle Behandlungspflege examinierte Pflegefachkräfte, häufig mit einer speziellen Zusatzqualifikation im Bereich außerklinische Beatmung und Intensivpflege. Diese hohe Qualifikation ist nötig, weil Fehler – etwa beim Umgang mit der Beatmung oder der Kanüle – schwerwiegende Folgen haben können.

Welche rechtliche Bedeutung hat die Behandlungspflege?

Sie ist der Kern des Leistungsanspruchs auf außerklinische Intensivpflege nach § 37c SGB V. Anders gesagt: Genau diese medizinisch-pflegerische Versorgung, die ein beatmeter oder trachealkanülierter Mensch dauerhaft benötigt, begründet den Anspruch auf die kostenintensive Intensivpflege.

Die Behandlungspflege wird ärztlich verordnet, im Behandlungsplan festgehalten und sorgfältig dokumentiert. Sie bildet damit das medizinische Rückgrat der außerklinischen Intensivpflege – ergänzt durch die Grundpflege, die Therapien und eine an Teilhabe orientierte Haltung, sodass eine umfassende, sichere und zugleich menschliche Versorgung entsteht.

Was bedeutet das für Angehörige?

Für Betroffene und Angehörige ist beruhigend zu wissen, dass diese medizinisch-pflegerischen Aufgaben von speziell geschultem Fachpersonal übernommen werden – ergänzt durch Grundpflege, Therapien und eine an Teilhabe orientierte Haltung, sodass eine umfassende und zugleich menschliche Versorgung entsteht.

Siehe auch: GrundpflegeAußerklinische Intensivpflege

Aktivierende Pflege

Aktivierende Pflege ist ein Grundprinzip moderner Pflege. Statt dem Menschen einfach alle Tätigkeiten abzunehmen, unterstützt die Pflegekraft ihn dabei, möglichst viel selbst zu tun – nach dem bewährten Leitsatz „so viel Hilfe wie nötig, so wenig wie möglich“. Vorhandene Fähigkeiten werden dabei gezielt erhalten, gefördert und, wo möglich, wieder aufgebaut.

Warum ist dieser Ansatz so wichtig?

Wer Tätigkeiten dauerhaft komplett abgenommen bekommt, verliert mit der Zeit Fähigkeiten, Muskelkraft und Selbstvertrauen. Aktivierende Pflege wirkt dem entgegen: 

  • Sie hält Muskeln, Gelenke und Kreislauf in Bewegung, 
  • Sie beugt Folgeproblemen wie Muskelabbau, Kontrakturen und Thrombosen vor 
  • Sie stärkt das Selbstwertgefühl 

Der Mensch erlebt sich nicht als reines „Pflegeobjekt“, sondern als aktiv Beteiligten.

Wie sieht aktivierende Pflege in der Intensivpflege konkret aus?

Auch bei hohem Pflegebedarf gibt es viele Möglichkeiten zur Beteiligung – etwa beim Waschen, beim Anziehen, beim Essen, beim Umlagern oder bei der Kommunikation. Schon kleine Beiträge zählen: 

  • Das eigenständige Halten eines Waschlappens 
  • Das Mithelfen beim Drehen 
  • Das Mitentscheiden über den Tagesablauf 

Bei beatmeten Menschen kann das Training der Eigenatmung im Sinne des Weanings ebenfalls Teil eines aktivierenden Ansatzes sein.

Worauf wird dabei geachtet?

Aktivierende Pflege orientiert sich stets an den individuellen Fähigkeiten, Wünschen, Gewohnheiten und an der Tagesform. Sie darf nicht in Überforderung umschlagen: An manchen Tagen ist mehr möglich als an anderen.

Wichtig ist, den Menschen zu motivieren und ihm Zeit zu lassen, statt aus Zeitdruck alles abzunehmen. So verbindet die aktivierende Pflege pflegerische Sicherheit mit Selbstbestimmung, Würde und Teilhabe.

Sie ist damit kein zusätzliches „Programm“, sondern eine Haltung, die in alle pflegerischen Handlungen einfließt – und ein wichtiger Beitrag zu Lebensqualität und zum Erhalt von Selbstständigkeit, gerade in einer langfristigen Versorgungssituation.

Siehe auch: Teilhabe und Selbstbestimmung, Grundpflege