WIKI DER AUSSERKLINISCHEN INTENSIVPFLEGE
Beatmung & Atemwege
NIV (nicht-invasive Beatmung)
Die nicht-invasive Beatmung (NIV) unterstützt die Atmung über eine dicht sitzende Maske – ganz ohne künstlichen Zugang in der Luftröhre. Üblich sind Nasenmasken, Mund-Nasen-Masken oder Vollgesichtsmasken; das Beatmungsgerät liefert dabei eine Druckunterstützung in Verfahren wie CPAP oder BiPAP. Weil kein Tracheostoma und keine Trachealkanüle nötig sind, gilt die NIV als schonender und risikoärmer als die invasive Beatmung.
Welche Vorteile bietet die NIV?
Da die oberen Atemwege erhalten bleiben, bleiben auch ihre natürlichen Funktionen – Anwärmen, Befeuchten und Filtern der Luft – weitgehend bestehen. Sprechen und Essen sind in beatmungsfreien Phasen oft problemlos möglich, und das Infektionsrisiko ist im Vergleich zur invasiven Beatmung geringer. Die NIV kann zudem flexibel eingesetzt werden, etwa nur nachts oder stundenweise.
Wo wird die NIV eingesetzt?
Sie wird sowohl in der Akutsituation als auch als Langzeit- und Heimbeatmung genutzt. Typische Anwendungsgebiete sind die COPD, neuromuskuläre Erkrankungen, das Obesitas-Hypoventilationssyndrom und die nächtliche Atemunterstützung bei chronischer respiratorischer Insuffizienz. Voraussetzung ist in der Regel eine noch ausreichende eigene Atmung und die Fähigkeit, die Maske zu tolerieren und die Atemwege selbst frei zu halten.
Worauf kommt es bei der NIV an?
Entscheidend für den Erfolg sind eine gut sitzende, möglichst druckstellenfreie Maske und die aktive Mitarbeit der Betroffenen, denn eine als störend empfundene Maske wird häufig nicht ausreichend genutzt. Die Pflege achtet auf den Maskensitz, auf Hautstellen an Nase und Gesicht, auf Leckagen und auf die Verträglichkeit. Mögliche Probleme wie eine trockene Schleimhaut oder Druckstellen lassen sich durch geeignete Masken, Befeuchtung und Polster meist gut beherrschen. Richtig angewendet, kann die NIV eine invasive Beatmung hinauszögern oder ganz vermeiden und vielen Menschen ein stabileres, selbstbestimmteres Leben ermöglichen.
Sprechen Sie Beschwerden wie Druckstellen oder Leckagen offen an, statt die Therapie auszusetzen – meist lässt sich gemeinsam mit der Pflege eine passende Lösung finden.
Siehe auch: BiPAP / BiLevel, Heimbeatmung