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Krankenbeobachtung

Krankenbeobachtung ist die fortlaufende, aufmerksame und fachkundige Beobachtung des Gesundheitszustands durch die Pflegefachkraft. Sie ist eine der wichtigsten und zugleich anspruchsvollsten Aufgaben in der Intensivpflege, weil sie über das bloße Ablesen von Messwerten weit hinausgeht.

Was wird beobachtet?

Die Krankenbeobachtung umfasst eine Vielzahl von Zeichen:

  • die Atmung (Frequenz, Tiefe, Geräusche, Anstrengung)
  • die Hautfarbe (etwa eine bläuliche Verfärbung als Zeichen von Sauerstoffmangel)
  • das Bewusstsein und die Reaktionsfähigkeit
  • den Kreislauf
  • die Körpertemperatur
  • die Ausscheidung
  • das Sekret
  • Schmerzäußerungen
  • das Verhalten sowie die Werte der Überwachungsgeräte.

Auch feine Veränderungen – etwa zunehmende Unruhe, vermehrtes Schwitzen oder eine veränderte Mimik – werden wahrgenommen und eingeordnet.

Warum ist die Krankenbeobachtung so entscheidend?

Ihr Ziel ist es, Veränderungen und Verschlechterungen frühzeitig zu erkennen – idealerweise, bevor es zu einem akuten Notfall kommt. Bei beatmeten Menschen kann sich der Zustand rasch ändern, und kleine Hinweise können große Bedeutung haben: Eine leicht veränderte Atmung, etwas mehr Sekret oder eine zunehmende Unruhe können erste Anzeichen einer beginnenden Komplikation sein. Wer diese Zeichen früh erkennt, kann rechtzeitig handeln.

Wie ergänzen sich Mensch und Technik?

Die geschulte menschliche Beobachtung ergänzt die technische Überwachung durch Monitore. Geräte erfassen Messwerte und schlagen bei Grenzwertüberschreitungen Alarm, aber erst die erfahrene Pflegekraft deutet diese Werte im Gesamtbild, unterscheidet einen harmlosen Fehlalarm von einer echten Gefahr und leitet die richtigen Maßnahmen ein. Die Krankenbeobachtung ist damit das eigentliche Frühwarnsystem der Intensivpflege – ein Zusammenspiel aus Fachwissen, Erfahrung, Aufmerksamkeit und Intuition. Ihre Ergebnisse werden in der Pflegedokumentation festgehalten, sodass der Verlauf nachvollziehbar bleibt und Veränderungen über die Zeit erkennbar werden.

Siehe auch: Monitoring

Kontrakturprophylaxe

Eine Kontraktur ist die dauerhafte Versteifung eines Gelenks in einer Fehlstellung. Sie entsteht, wenn ein Gelenk über längere Zeit nicht ausreichend bewegt wird: Muskeln, Sehnen, Bänder und Gelenkkapsel verkürzen und verkleben, sodass sich das Gelenk schließlich nicht mehr vollständig bewegen lässt. Eine ausgeprägte Kontraktur kann ein Gelenk weitgehend unbeweglich machen.

Wer ist gefährdet?

Besonders gefährdet sind bettlägerige und stark bewegungseingeschränkte Menschen – etwa nach einem Schlaganfall, bei Lähmungen, bei fortgeschrittenen neuromuskulären Erkrankungen oder im Wachkoma. Auch Schmerzen oder eine ständige Schonhaltung können dazu führen, dass Gelenke nicht mehr ausreichend bewegt werden.

Welche Folgen haben Kontrakturen?

Sie verschlechtern die Beweglichkeit erheblich, können Schmerzen verursachen und erschweren die Pflege – etwa das Waschen, Ankleiden oder Lagern. Eine versteifte Hand oder ein versteiftes Bein kann zudem die verbliebene Selbstständigkeit und die Möglichkeiten zur Mobilisation einschränken. Einmal entstandene Kontrakturen lassen sich nur schwer wieder rückgängig machen.

Wie beugt man Kontrakturen vor?

Die Kontrakturprophylaxe setzt deshalb konsequent auf Vorbeugung. Wichtigste Maßnahme ist die regelmäßige Bewegung aller Gelenke – aktiv durch den Menschen selbst, soweit möglich, oder passiv durch die Pflegekraft, die die Gelenke behutsam durchbewegt. Hinzu kommen eine korrekte, physiologische Lagerung in Funktionsstellung, gezielte Bewegungsübungen, der Einsatz geeigneter Hilfsmittel sowie die enge Zusammenarbeit mit der Physiotherapie. Auch eine möglichst aktive Mobilisation trägt zur Vorbeugung bei. Die Kontrakturprophylaxe wird – ähnlich wie die Dekubitus- und Thromboseprophylaxe – in den täglichen Pflegeablauf integriert und an die individuelle Situation angepasst. Ziel ist es, die Beweglichkeit so gut wie möglich zu erhalten und damit Schmerzen, Pflegeerschwernisse und einen weiteren Verlust an Selbstständigkeit zu vermeiden.

Viele Maßnahmen – etwa das behutsame Durchbewegen der Gelenke oder kleine Bewegungsübungen – lassen sich nach Anleitung auch von Angehörigen unterstützen und in den Alltag einbauen. Die konkrete Gestaltung wird mit der Physiotherapie abgestimmt und an die individuelle Situation angepasst.

Siehe auch: Mobilisation, Lagerung (Positionierung)

Interventionsbereitschaft

Interventionsbereitschaft beschreibt das zentrale, definierende Merkmal der außerklinischen Intensivpflege: Eine qualifizierte Pflegefachkraft ist ständig anwesend und jederzeit in der Lage, sofort einzugreifen, wenn eine lebensbedrohliche Situation eintritt. Sie ist gewissermaßen das, was die Intensivpflege von anderen, stundenweisen Pflegeformen unterscheidet.

Warum ist ständige Interventionsbereitschaft notwendig?

Bei beatmeten oder trachealkanülierten Menschen kann ein Notfall ohne Vorwarnung eintreten – etwa eine Verlegung oder Diskonnektion der Atemwege, eine verstopfte Trachealkanüle, ein Geräteausfall, ein plötzlicher Abfall der Sauerstoffsättigung oder ein Krampfanfall. In solchen Momenten zählt jede Sekunde: Ein verzögertes Eingreifen kann lebensbedrohlich sein. Deshalb ist eine kontinuierliche, oft lückenlose Präsenz erforderlich, nicht nur eine Erreichbarkeit auf Abruf.

Was bedeutet das für die Versorgung?

Die Interventionsbereitschaft ist eine der Voraussetzungen, die den hohen Versorgungs- und Personalaufwand der außerklinischen Intensivpflege begründen – und damit auch die Genehmigung und Finanzierung der Leistung durch die Krankenkasse. Sie erklärt, warum in der Intensivpflege in der Regel eine Eins-zu-eins-Betreuung oder in der Wohngemeinschaft eine durchgehende fachliche Präsenz erforderlich ist.

Was verlangt Interventionsbereitschaft von den Pflegekräften?

Sie erfordert nicht nur fundiertes Fachwissen über Beatmung, Notfälle und Geräte, sondern auch dauerhafte Aufmerksamkeit, eine gute Krankenbeobachtung und die Fähigkeit, im Ernstfall ruhig, schnell und routiniert zu handeln. Dazu gehört, Warnzeichen früh zu erkennen, Alarme richtig zu deuten und die nötigen Maßnahmen sicher zu beherrschen. Eine stets griffbereite Notfallausrüstung und klare Notfallpläne unterstützen die Interventionsbereitschaft.

Für Betroffene und Angehörige bedeutet diese ständige fachliche Einsatzbereitschaft vor allem eines: Sicherheit – das beruhigende Wissen, dass im Ernstfall jederzeit kompetente Hilfe unmittelbar vor Ort ist.

Siehe auch: Notfallmanagement, Krankenbeobachtung, Außerklinische Intensivpflege

Hygiene und Händedesinfektion

Hygiene ist in der außerklinischen Intensivpflege überlebenswichtig, denn schwer kranke und beatmete Menschen haben oft ein geschwächtes Immunsystem und sind dadurch besonders infektionsanfällig. Hinzu kommt, dass künstliche Zugänge wie Trachealkanüle, Sonden und Katheter natürliche Schutzbarrieren des Körpers umgehen und damit Eintrittspforten für Keime schaffen.

Welche Hygienemaßnahme ist die wichtigste?

Mit Abstand am wirksamsten ist die hygienische Händedesinfektion. Sie wird vor und nach jedem Kontakt mit dem Menschen sowie vor jeder pflegerischen Tätigkeit durchgeführt, insbesondere vor dem Umgang mit Kanüle, Wunden, Sonden und beim Absaugen. Die Hände sind der häufigste Übertragungsweg für Krankheitserreger – ihre gründliche Desinfektion verhindert deshalb einen großen Teil vermeidbarer Infektionen.

Was gehört noch zu einem guten Hygienekonzept?

Dazu zählen:

  • sauberes, möglichst keimarmes Arbeiten bei allen Maßnahmen an Kanüle, Tracheostoma, Sonden, Kathetern und Wunden
  • die korrekte Aufbereitung und Lagerung von Materialien
  • das Tragen von Schutzhandschuhen und Schürzen in bestimmten Situationen
  • die regelmäßige Flächendesinfektion
  • ein durchdachter Umgang mit Abfall und Wäsche

Auch die Vermeidung der Übertragung multiresistenter Erreger wie MRSA ist Teil des Konzepts.

Wen schützt die Hygiene?

Konsequente Hygiene schützt nicht nur die intensivpflegebedürftigen Menschen selbst, sondern auch die Angehörigen und die Pflegekräfte, und sie verhindert die Weitergabe von Keimen. Sie ist damit ein fester und unverzichtbarer Bestandteil des Qualitätsmanagements eines Intensivpflegedienstes. Auch Angehörige, die in die Versorgung eingebunden sind, werden in den richtigen Umgang mit Händedesinfektion und Hygiene eingewiesen. Gute Hygiene ist dabei kein Zeichen von Übervorsicht, sondern gelebte Verantwortung: Sie senkt das Risiko schwerwiegender Infektionen erheblich und trägt so unmittelbar zur Sicherheit und Stabilität der Versorgung bei.

Siehe auch: Wundversorgung, Tracheostoma absaugen

Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel

Hilfsmittel sind Geräte und Gegenstände, die eine Behinderung oder Funktionseinschränkung ausgleichen, eine Behandlung sichern oder die Pflege überhaupt erst ermöglichen. In der außerklinischen Intensivpflege spielen sie eine zentrale Rolle, denn ohne die passende Ausstattung wäre eine sichere Versorgung außerhalb der Klinik nicht möglich.

Welche Hilfsmittel sind in der Intensivpflege wichtig?

Dazu zählen vor allem medizinische Geräte wie:

  • das Beatmungsgerät
  • das Absauggerät
  • die Sauerstoffversorgung
  • der Überwachungsmonitor

Hinzu kommen pflegeerleichternde Hilfsmittel wie:

  • ein Pflegebett
  • ein Patientenlifter
  • ein Rollstuhl
  • eine Anti-Dekubitus-Matratze
  • Hilfsmittel zur Lagerung, Mobilisation und Kommunikation

Viele dieser Geräte müssen jederzeit zuverlässig funktionieren, weshalb Wartung und einsatzbereite Ersatzgeräte wichtig sind.

Was sind Pflegehilfsmittel zum Verbrauch?

Davon zu unterscheiden sind die Pflegehilfsmittel zum Verbrauch – etwa Einmalhandschuhe, Händedesinfektionsmittel, Schutzschürzen, Mundschutz und Bettschutzeinlagen –, die regelmäßig benötigt und nachgeliefert werden. Sie sind besonders für Hygiene und Infektionsschutz von Bedeutung.

Wer übernimmt die Kosten?

Die Kostenübernahme ist je nach Hilfsmittel unterschiedlich geregelt. Medizinische Hilfsmittel, die der Behandlung dienen, laufen häufig über die Krankenkasse; Pflegehilfsmittel zur Erleichterung der Pflege über die Pflegekasse. Für viele Hilfsmittel ist eine ärztliche Verordnung und gegebenenfalls eine Genehmigung erforderlich. Versorgt werden Betroffene meist über Sanitätshäuser und Homecare-Unternehmen in Zusammenarbeit mit dem Pflegedienst, der den Bedarf erkennt und die Versorgung koordiniert. Entscheidend für eine sichere und komfortable Versorgung sind die richtige Auswahl, die individuelle Anpassung, die Einweisung in den Gebrauch und die regelmäßige Wartung der Hilfsmittel. Defekte oder unpassende Geräte müssen umgehend repariert oder ersetzt werden. Bei Fragen zur Hilfsmittelversorgung und zur Kostenübernahme helfen die Krankenkasse, die Pflegekasse oder eine Pflegeberatung weiter.

Siehe auch: Kostenträger, Beatmungsgerät (Respirator), Eigenanteil und Finanzierung

Grundpflege

Die Grundpflege umfasst die alltägliche, körperbezogene Versorgung eines Menschen. Dazu gehören die Hilfe bei der Körperpflege und beim Waschen, beim An- und Auskleiden, beim Essen und Trinken, bei der Bewegung und Lagerung sowie bei der Ausscheidung. Die Grundpflege sichert Hygiene, Wohlbefinden und Würde und bildet die Basis jeder pflegerischen Versorgung.

Wie unterscheidet sich die Grundpflege von der Behandlungspflege?

Die Behandlungspflege umfasst die ärztlich angeordneten, medizinischen Maßnahmen – etwa Beatmung, Absaugen, Wundversorgung oder Medikamentengabe. Die Grundpflege betrifft demgegenüber die grundlegenden Verrichtungen des täglichen Lebens. In der Praxis lassen sich beide oft nicht trennen, sondern gehen Hand in Hand.

Wie ist das in der Intensivpflege?

Hier ist die Grundpflege eng mit der medizinischen Versorgung verwoben. Beim Waschen wird zum Beispiel zugleich die Haut auf Druckstellen kontrolliert (Dekubitusprophylaxe), beim Umlagern werden Atmung und Durchblutung unterstützt, bei der Mundpflege wird zugleich der Pneumonieprophylaxe gedient. So wird aus jeder grundpflegerischen Handlung zugleich ein Beitrag zur Sicherheit und Gesundheit.

Welche Haltung steht hinter guter Grundpflege?

Gute Grundpflege orientiert sich am Prinzip der aktivierenden Pflege: Sie bezieht die Betroffenen so weit wie möglich ein, lässt ihnen Zeit, respektiert ihre Gewohnheiten, ihre Schamgrenzen und ihre Wünsche – etwa zu Tagesablauf, Pflegeprodukten oder der Art, wie etwas getan wird. Gerade die Grundpflege berührt sehr persönliche, intime Bereiche; ein einfühlsamer, respektvoller Umgang ist deshalb besonders wichtig. So wird aus einer scheinbaren Routinetätigkeit ein bedeutsamer Beitrag zu Lebensqualität, Sicherheit und Selbstbestimmung. In der außerklinischen Intensivpflege bietet die Grundpflege zudem viele Gelegenheiten für Nähe, Gespräch und eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Pflegekraft und Mensch – ein Aspekt, der für das Wohlbefinden ebenso zählt wie die fachliche Sicherheit.

Siehe auch: Behandlungspflege, Aktivierende Pflege

Enterale Ernährung

Enterale Ernährung bedeutet, den Körper über den Magen-Darm-Trakt mit Nahrung zu versorgen, wenn die normale Nahrungsaufnahme über den Mund nicht ausreicht oder nicht sicher möglich ist. „Enteral“ verweist auf den Darm: Die Nahrung wird – anders als bei der parenteralen Ernährung über die Vene – auf dem natürlichen Verdauungsweg verwertet. Sie wird als speziell zusammengesetzte, flüssige Sondennahrung über eine Sonde direkt in den Magen oder Dünndarm gegeben.

Wann ist enterale Ernährung nötig?

Typische Gründe sind:

  • eine ausgeprägte Schluckstörung (Dysphagie)
  • Bewusstseinsstörungen
  • eine stark verminderte Nahrungsaufnahme
  • ein erhöhtes Aspirationsrisiko beim Essen

In all diesen Fällen sichert die enterale Ernährung die ausreichende Versorgung mit Energie, Nährstoffen und Flüssigkeit und beugt einer Mangelernährung vor.

Über welche Wege wird sie verabreicht?

Bei kurzfristigem Bedarf wird häufig eine Magensonde durch die Nase (nasogastrale Sonde) gelegt. Ist absehbar, dass die künstliche Ernährung über längere Zeit nötig sein wird, wird in der Regel eine PEG-Sonde durch die Bauchdecke bevorzugt, weil sie komfortabler, unauffälliger und weniger störanfällig ist. Die Nahrung kann kontinuierlich über eine Pumpe oder in Portionen gegeben werden.

Worauf kommt es bei der enteralen Ernährung an?

Die Sondennahrung ist bilanziert, das heißt, sie enthält alle wichtigen Nährstoffe, Vitamine, Spurenelemente und ausreichend Flüssigkeit in abgestimmter Menge. Die Pflege achtet auf:

  • die korrekte und hygienische Verabreichung
  • die richtige Lagerung (oberkörperhoch, um Aspiration zu vermeiden)
  • die Verträglichkeit
  • das regelmäßige Spülen der Sonde
  • die Pflege der Eintrittsstelle

Enterale Ernährung kann ergänzend zu einer noch möglichen, eingeschränkten oralen Kost erfolgen oder die alleinige Ernährungsform sein. In jedem Fall wird sie ärztlich angeordnet und an den individuellen Bedarf angepasst, etwa bei Gewichtsveränderungen oder besonderen Erkrankungen.

Was ist noch wichtig zu wissen?

Eine enterale Ernährung bedeutet nicht zwangsläufig das Ende des Essens am Mund. Ob und wie viel sicheres orales Essen möglich ist, wird gemeinsam mit Ärzten und der Logopädie beurteilt – denn Essen und Schmecken sind auch ein Stück Lebensqualität und Genuss.

Siehe auch: PEG-Sonde (perkutane endoskopische Gastrostomie), Dysphagie (Schluckstörung)

Dysphagie (Schluckstörung)

Eine Dysphagie ist eine Störung des Schluckens. Betroffene können Speichel, Flüssigkeit oder Nahrung nicht mehr sicher vom Mund über den Rachen in die Speiseröhre transportieren. Die größte Gefahr dabei ist, dass etwas „in den falschen Hals“ und damit in die Atemwege gerät – das nennt man Aspiration.

Wodurch entsteht eine Schluckstörung?

Häufige Ursachen sind neurologische Erkrankungen und Ereignisse wie:

  • ein Schlaganfall
  • ALS
  • Multiple Sklerose
  • ein Schädel-Hirn-Trauma
  • fortgeschrittene Demenzen

Auch nach langer Beatmung und bei liegender Trachealkanüle treten Schluckstörungen häufig auf, weil der komplexe Schluckablauf beeinträchtigt ist. Die Dysphagie kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein und sowohl feste Nahrung als auch Flüssigkeiten betreffen.

Warum ist eine Dysphagie ernst zu nehmen?

Weil sie gravierende Folgen haben kann:

  • Aspirationspneumonien (Lungenentzündungen durch eingedrungenes Material)
  • Mangelernährung
  • Flüssigkeitsmangel

Besonders tückisch sind „stille“ Aspirationen, die ohne Husten ablaufen und deshalb leicht übersehen werden. Eine aufmerksame Beobachtung ist daher wichtig.

Wie wird eine Dysphagie behandelt und im Alltag berücksichtigt?

Die Diagnostik und Therapie liegt vor allem in den Händen der Logopädie: Sie untersucht das Schlucken, trainiert es gezielt mit Übungen und legt sichere Kostformen und Konsistenzen fest, etwa angedickte Flüssigkeiten oder pürierte Speisen.

In der Pflege wird geachtet auf:

  • eine aufrechte Lagerung beim Essen und danach
  • eine angepasste, ruhige Essensbegleitung
  • kleine Bissen
  • eine genaue Beobachtung

Bei Bedarf wird vor dem Essen der Mundraum gepflegt und gegebenenfalls abgesaugt. Lässt sich eine sichere orale Ernährung dauerhaft nicht gewährleisten, kann vorübergehend oder dauerhaft eine Ernährung über eine Sonde – etwa eine PEG-Sonde – notwendig werden, um Aspirationen und Mangelernährung zu vermeiden. Ziel bleibt dabei stets, so viel sicheres orales Essen und Trinken wie möglich zu erhalten, denn Essen ist auch ein wichtiges Stück Lebensqualität.

Siehe auch: Aspiration

Blutgasanalyse (BGA)

Die Blutgasanalyse (BGA) ist eine Laboruntersuchung, mit der sich sehr genau bestimmen lässt, wie gut der Gasaustausch in der Lunge und der Säure-Basen-Haushalt im Körper funktionieren. Aus einer kleinen Blutprobe werden mehrere wichtige Werte ermittelt:

  • Sauerstoffgehalt
  • Kohlendioxidgehalt
  • pH-Wert (Säuregrad des Blutes)
  • weitere Parameter wie das Bikarbonat.

Woher stammt das Blut für eine BGA?

Klassischerweise wird arterielles Blut verwendet, weil es den Gasaustausch am genauesten abbildet; in bestimmten Situationen kann auch kapilläres Blut (etwa aus dem Ohrläppchen) genutzt werden. Die Untersuchung liefert innerhalb kurzer Zeit ein präzises Bild des aktuellen Gasaustauschs.

Warum ist die BGA für beatmete Menschen so aussagekräftig?

Sie zeigt unmittelbar, ob die Beatmung richtig eingestellt ist: Wird genug Sauerstoff aufgenommen? Wird genug Kohlendioxid abgeatmet, oder droht eine Hyperkapnie? Ist der Säure-Basen-Haushalt im Gleichgewicht? Aus diesen Werten lassen sich konkrete Schlüsse für die Anpassung der Beatmung ziehen – etwa für die Atemfrequenz, das Atemzugvolumen oder den Sauerstoffanteil.

Wie ergänzt die BGA die kontinuierliche Überwachung?

Pulsoximetrie und Kapnometrie überwachen Sauerstoffsättigung und Kohlendioxid fortlaufend und schmerzfrei, liefern aber Näherungswerte. Die BGA ergänzt diese Dauerüberwachung um exakte Momentaufnahmen aus dem Blut und ist damit besonders bei Verschlechterungen, bei der Einstellung der Beatmung oder bei unklaren Situationen wertvoll. Auffällige Werte können auf eine Verschlechterung des Zustands hinweisen und eine Anpassung der Therapie nötig machen.

In der außerklinischen Intensivpflege wird die BGA gezielt eingesetzt, wenn die kontinuierliche Überwachung allein nicht ausreicht oder wenn präzise Werte für eine Entscheidung benötigt werden – im Alltag stehen ansonsten die kontinuierliche Pulsoximetrie und Kapnometrie im Vordergrund. Für Betroffene bedeutet das insgesamt eine engmaschige Kontrolle des Gasaustauschs, die Sicherheit gibt und es ermöglicht, frühzeitig und gezielt zu reagieren.

Siehe auch: Pulsoximetrie

Blasenkatheter

Ein Blasenkatheter ist ein dünner, flexibler Schlauch, der den Urin aus der Harnblase ableitet, wenn das selbstständige Wasserlassen nicht möglich, nicht ausreichend oder aus medizinischen Gründen nicht sinnvoll ist. Er sorgt für eine sichere Harnableitung und ermöglicht zugleich eine genaue Kontrolle der ausgeschiedenen Urinmenge.

Welche Arten von Blasenkathetern gibt es?

Man unterscheidet vor allem zwei Wege:

  • Transurethraler Katheter: wird über die Harnröhre in die Blase gelegt.
  • Suprapubischer Katheter (auch Bauchdeckenkatheter genannt): wird über einen kleinen Zugang durch die Bauchdecke direkt in die Blase eingebracht. Er wird häufig bei längerfristigem Bedarf bevorzugt, weil er die Harnröhre schont und in mancher Hinsicht komfortabler und weniger infektionsanfällig sein kann.

Daneben gibt es den Einmalkatheterismus, bei dem nur zur Entleerung katheterisiert wird.

Worauf muss bei einem Blasenkatheter geachtet werden?

Das wichtigste Thema ist das Infektionsrisiko: Ein liegender Katheter kann Harnwegsinfekte begünstigen. Deshalb sind sorgfältige Hygiene, eine regelmäßige, fachgerechte Pflege und der hygienische Wechsel des Katheters und des Ableitungssystems entscheidend. Die Pflege achtet außerdem auf einen freien, knickfreien Abfluss, auf eine ausreichende Trinkmenge, auf die Beschaffenheit des Urins und auf Anzeichen einer Infektion wie Trübung, Geruch, Fieber oder Schmerzen.

Lässt sich ein Katheter auch vermeiden?

Wo immer möglich, wird geprüft, ob auf einen Dauerkatheter verzichtet, ein schonenderes System gewählt oder zumindest die Liegedauer begrenzt werden kann, denn jeder Dauerkatheter bringt ein gewisses Risiko mit sich. Bei intensivpflegebedürftigen Menschen kann eine genaue Kontrolle der Urinausscheidung jedoch medizinisch wichtig sein, etwa zur Überwachung des Flüssigkeitshaushalts. Die Entscheidung über Art und Notwendigkeit des Katheters trifft das ärztliche und pflegerische Team gemeinsam und passt sie dem Bedarf an.

Siehe auch: Hygiene und Händedesinfektion, Grundpflege