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Beatmungsmodus

Der Beatmungsmodus beschreibt, wie das Beatmungsgerät und der Mensch zusammenarbeiten – also wie viel das Gerät an Atemarbeit vorgibt und wie viel die Person selbst beiträgt. Der gewählte Modus bestimmt damit das „Verhalten“ der Beatmung und wird genau auf die jeweilige Situation und das Therapieziel abgestimmt.

Welche grundlegenden Modi gibt es? Grob unterscheidet man kontrollierte Modi, bei denen das Gerät die gesamte Atemarbeit übernimmt und jeden Atemzug vorgibt, von assistierten oder unterstützenden Modi, die lediglich die vorhandene eigene Atmung unterstützen. Dazwischen gibt es zahlreiche Mischformen, bei denen das Gerät einspringt, wenn die Eigenatmung nicht ausreicht, dem Menschen aber Raum für eigene Atemzüge lässt.

Wie wird außerdem unterschieden? Ein zweites Einteilungsprinzip betrifft die Steuergröße: Bei der druckkontrollierten Beatmung gibt das Gerät einen bestimmten Druck vor, bei der volumenkontrollierten ein bestimmtes Atemzugvolumen. Bekannte Verfahren der nicht-invasiven Beatmung – CPAP und BiPAP – lassen sich ebenfalls in diese Systematik einordnen: CPAP hält einen kontinuierlichen Druck, BiPAP arbeitet mit zwei Druckstufen.

Wer entscheidet über den Modus, und wofür ist das gut? Welcher Beatmungsmodus der richtige ist, hängt von der Erkrankung, der verbliebenen Atemleistung und dem Behandlungsziel ab und wird ärztlich festgelegt. Im Verlauf kann der Modus bewusst verändert werden – zum Beispiel beim Weaning, um die eigene Atmung Schritt für Schritt wieder stärker zu fordern und zu trainieren. Die Pflegefachkräfte überwachen, ob der eingestellte Modus gut vertragen wird, ob die Atmung ruhig und synchron mit dem Gerät verläuft und ob die Sauerstoff- und CO₂-Werte stimmen. Ein nicht passender Modus kann sich durch Unruhe, „Kämpfen“ gegen das Gerät oder ungünstige Messwerte zeigen – dann wird die Einstellung ärztlich überprüft und angepasst.

Für Angehörige ist beruhigend zu wissen: Welcher Modus eingestellt ist, entscheidet der Arzt anhand der individuellen Situation; die Pflege überwacht laufend, ob er gut vertragen wird. Anzeichen für einen nicht passenden Modus können Unruhe, ein „Gegenatmen“ gegen das Gerät oder ungünstige Messwerte sein – sie werden ärztlich überprüft und angepasst. Veränderungen am Modus, etwa im Rahmen des Weanings, sind ein normaler Teil der Therapie und werden stets eng begleitet und überwacht.

Siehe auch: Beatmung (maschinelle Beatmung), PEEP, Atemzugvolumen (Tidalvolumen), CPAP, BiPAP / BiLevel

Beatmung (maschinelle Beatmung)

Bei der maschinellen oder künstlichen Beatmung übernimmt ein Beatmungsgerät, der sogenannte Respirator, die Atemarbeit ganz oder teilweise. Notwendig wird das, wenn die eigene Atmung dauerhaft nicht ausreicht, um den Körper mit genügend Sauerstoff zu versorgen und das anfallende Kohlendioxid abzuatmen. Die Ursachen sind vielfältig – etwa chronische Lungenerkrankungen, neuromuskuläre Erkrankungen mit erschöpfter Atempumpe oder schwere neurologische Schädigungen.

Welche Arten der Beatmung gibt es? Man unterscheidet zwei grundsätzliche Wege. Die invasive Beatmung erfolgt über eine Trachealkanüle, die durch ein Tracheostoma in die Luftröhre führt. Die nicht-invasive Beatmung (NIV) wird dagegen über eine dicht sitzende Maske durchgeführt, ohne künstlichen Zugang in der Luftröhre. Welche Form geeignet ist, hängt von der Erkrankung, der verbliebenen Eigenatmung und der Gesamtsituation ab.

Wie viel Beatmung braucht ein Mensch? Der Bedarf reicht von einer stundenweisen Unterstützung – etwa nur nachts – bis zu einer Beatmung rund um die Uhr. Manche Menschen sind vollständig vom Gerät abhängig, andere können zeitweise selbst atmen. Entsprechend individuell wird die Beatmung eingestellt und im Verlauf angepasst.

Was ermöglicht die Beatmung außerhalb der Klinik? Dank moderner, kompakter und transportabler Beatmungsgeräte ist eine Beatmung heute auch im eigenen Zuhause oder in einer Wohngemeinschaft möglich – die sogenannte Heimbeatmung. Voraussetzung sind qualifizierte Pflegefachkräfte, eine engmaschige Überwachung der Vitalwerte, eine zuverlässige Technik und Stromversorgung sowie ein durchdachtes Notfallmanagement. Ein wichtiges Ziel bleibt dabei stets, regelmäßig zu prüfen, ob die Beatmungszeit verkürzt oder die Beatmung ganz entwöhnt werden kann – diese Prüfung erfolgt im Rahmen der Potenzialerhebung. So verbindet die moderne Beatmungspflege medizinische Sicherheit mit dem Ziel größtmöglicher Selbstständigkeit.

Für Betroffene und Angehörige ist wichtig zu wissen, dass eine Beatmung kein „Endpunkt“, sondern ein veränderbarer Zustand sein kann: Regelmäßig wird geprüft, ob sich die Beatmungszeit verkürzen oder die Beatmung ganz entwöhnen lässt. Moderne Geräte ermöglichen zugleich ein erstaunlich normales Leben – mit Ausflügen, Teilhabe und Aktivität. Entscheidend für die Sicherheit ist die Kombination aus zuverlässiger Technik, qualifizierter Pflege und einem klaren Notfallplan, auf den sich alle Beteiligten verlassen können.

Siehe auch: Invasive Beatmung, NIV (nicht-invasive Beatmung), Respirator (Beatmungsgerät), Heimbeatmung, Beatmungsmodus

Atemzugvolumen (Tidalvolumen)

Das Atemzugvolumen – fachlich Tidalvolumen genannt – ist die Luftmenge, die bei einem einzelnen Atemzug ein- oder ausgeatmet wird. Bei der maschinellen Beatmung ist es einer der zentralen Einstellwerte und bestimmt maßgeblich, wie gut und wie schonend die Lunge belüftet wird.

Wie wird das Atemzugvolumen bei der Beatmung gesteuert? Das hängt vom gewählten Beatmungsmodus ab. Bei der volumenkontrollierten Beatmung gibt das Beatmungsgerät ein festes Atemzugvolumen vor und liefert genau diese Luftmenge mit jedem Atemzug. Bei der druckkontrollierten Beatmung wird stattdessen ein bestimmter Druck eingestellt; das tatsächliche Atemzugvolumen ergibt sich dann aus diesem Druck und den Eigenschaften der Lunge. Beide Verfahren haben Vor- und Nachteile und werden je nach Erkrankung und Therapieziel gewählt.

Warum muss das Atemzugvolumen sorgfältig angepasst werden? Weil sowohl ein zu kleines als auch ein zu großes Volumen schaden kann. Ist es zu klein, wird die Lunge nicht ausreichend belüftet; es drohen Sauerstoffmangel, ein Anstieg des Kohlendioxids und die Bildung von Atelektasen. Ist es zu groß, kann das empfindliche Lungengewebe überdehnt und langfristig geschädigt werden – ein Phänomen, das in der Fachwelt als beatmungsassoziierter Lungenschaden bekannt ist. Deshalb orientiert sich das richtige Atemzugvolumen unter anderem am Körpergewicht und an der Erkrankung.

Wer legt den Wert fest, und wer überwacht ihn? Das Atemzugvolumen wird ärztlich festgelegt und individuell angepasst. Die Pflegefachkräfte überwachen im Rahmen des Monitorings, ob die eingestellten Werte eingehalten werden und gut vertragen werden, und achten auf Alarme des Beatmungsgeräts. Gemeinsam mit der Atemfrequenz, dem Beatmungsdruck und dem PEEP bestimmt das Atemzugvolumen, wie wirksam und zugleich lungenschonend die Beatmung ist. Veränderungen – etwa ein plötzlich abfallendes Volumen – können auf ein Problem wie eine Leckage oder eine Verlegung hinweisen und erfordern rasches Handeln.

Für Angehörige ist es weniger wichtig, die genauen Zahlenwerte zu kennen, als zu verstehen, dass die Beatmungseinstellungen sorgfältig vom Arzt festgelegt und nicht eigenmächtig verändert werden dürfen. Auffälligkeiten wie ein plötzlich abweichendes Atemzugvolumen, ungewohnte Alarme oder eine veränderte Atmung sollten umgehend der Pflegekraft gemeldet werden, da sie auf ein Problem hinweisen können. Die kontinuierliche Überwachung dieser Werte durch geschultes Personal ist ein zentraler Sicherheitsbaustein der Beatmung.

Siehe auch: Beatmungsmodus, PEEP, Respirator (Beatmungsgerät)

Atemtherapie

Atemtherapie umfasst gezielte Übungen, Techniken und Hilfsmittel, die das Atmen erleichtern, die Lunge gleichmäßig belüften und das Lösen und Abhusten von Schleim unterstützen. Sie wird häufig von Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten durchgeführt, ist aber auch fest in den Pflegealltag eingebunden – denn viele atemtherapeutische Maßnahmen lassen sich mehrmals täglich anwenden.

Was gehört zur Atemtherapie? Dazu zählen unter anderem atemstimulierende Lagerungen, das Einüben einer vertieften Atmung, hustenunterstützende Techniken, sanfte manuelle Maßnahmen wie das Ausstreichen oder Vibrationen, Inhalationen zur Sekretlösung sowie der Einsatz von Atemtrainern und speziellen Geräten, die das Abhusten erleichtern. Auch das Erlernen einer atemerleichternden Körperhaltung und einer dosierten Lippenbremse kann Teil der Atemtherapie sein.

Wer profitiert besonders von Atemtherapie? Sie ist ein zentraler Baustein bei Menschen mit COPD, mit neuromuskulären Erkrankungen, mit Mukoviszidose, nach langer Beatmung oder mit geschwächtem Hustenstoß. Bei diesen Erkrankungen hilft die Atemtherapie, Sekret zu mobilisieren, Atelektasen und Lungenentzündungen vorzubeugen und die oft geschwächte Atemmuskulatur zu kräftigen.

Welche Rolle spielt die Atemtherapie bei der Beatmung? Bei beatmeten Menschen unterstützt sie das Weaning, also die schrittweise Entwöhnung vom Beatmungsgerät, indem sie die eigene Atemleistung gezielt trainiert. Sie verbessert die Belüftung der Lunge, kann die Sauerstoffaufnahme fördern und trägt dazu bei, dass Phasen der Eigenatmung besser toleriert werden. Regelmäßig und korrekt durchgeführt, leistet die Atemtherapie damit einen spürbaren Beitrag zu mehr Sicherheit, weniger Komplikationen und besserer Lebensqualität. In der außerklinischen Intensivpflege wird sie eng mit dem Pflegeteam und den behandelnden Ärzten abgestimmt und – wo sinnvoll – auch mit den Angehörigen eingeübt, sodass sie verlässlich in den Alltag integriert ist.

Viele atemtherapeutische Maßnahmen lassen sich nach guter Anleitung auch von Angehörigen unterstützen und mehrmals täglich in den Alltag einbauen. Wichtig ist die Regelmäßigkeit, denn die Wirkung entfaltet sich erst durch konsequente Wiederholung. Die konkrete Auswahl der Übungen und Techniken wird individuell mit der Physiotherapie und dem behandelnden Arzt abgestimmt und an die Belastbarkeit angepasst. So wird die Atemtherapie zu einem festen, wirksamen Bestandteil der Versorgung, der Komplikationen vorbeugt und die Atmung erleichtert.

Siehe auch: Sekretmanagement, Pneumonieprophylaxe, Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Weaning

Atemluftbefeuchtung („künstliche Nase“)

Normalerweise übernimmt die Nase eine wichtige Aufgabe: Sie wärmt, befeuchtet und filtert die Atemluft, bevor diese in die Lunge gelangt. Bei einer Beatmung über ein Tracheostoma wird die Nase jedoch vollständig umgangen – die Luft strömt direkt in die Luftröhre. Wird sie dabei nicht künstlich aufbereitet, trocknen die empfindlichen Schleimhäute aus, das Sekret wird zäh, und es können sich Borken bilden, die die Atemwege und die Trachealkanüle verstopfen.

Warum ist die Atemluftbefeuchtung so wichtig? Ohne ausreichende Befeuchtung steigt das Risiko für Sekretstau, Verlegung der Kanüle, Schleimhautschäden und Infektionen. Eine gute Befeuchtung hält das Sekret dünnflüssig, erleichtert das Abhusten und Absaugen und trägt damit wesentlich zur Sicherheit und zum Wohlbefinden bei.

Welche Möglichkeiten gibt es? Grundsätzlich unterscheidet man zwei Wege. Passive Systeme – sogenannte HME-Filter oder „künstliche Nasen“ – werden direkt auf die Trachealkanüle gesetzt. Sie speichern Wärme und Feuchtigkeit der Ausatemluft und geben sie beim nächsten Einatmen wieder ab; viele Modelle filtern zugleich die Luft. Aktive Befeuchtungssysteme sind in das Beatmungsgerät integriert: Sie erwärmen die Luft und reichern sie mit Wasserdampf an, oft über einen beheizten Befeuchtertopf und beheizte Schläuche.

Welches System ist das richtige? Das hängt von der individuellen Situation ab – etwa von der Sekretmenge, der Dauer und Art der Beatmung und davon, wie gut der Mensch die jeweilige Lösung verträgt. Bei sehr zähem Sekret oder langer Beatmung ist häufig eine aktive Befeuchtung sinnvoll, während HME-Filter im mobilen Alltag praktisch sein können. Die Pflegefachkräfte achten auf Anzeichen unzureichender Befeuchtung – etwa zähes, krustiges Sekret – und passen die Befeuchtung entsprechend an. So bleibt ein zentraler Schutzmechanismus der Atemwege auch ohne die natürliche Funktion der Nase erhalten.

Im Alltag zeigt sich eine unzureichende Befeuchtung an zähem, krustigem Sekret, an Borkenbildung und an häufigerem, erschwertem Absaugen. Bemerken Pflegekräfte oder Angehörige solche Zeichen, wird die Befeuchtung angepasst – etwa durch den Wechsel von einem passiven HME-Filter zu einer aktiven Befeuchtung. Auch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr unterstützt die Befeuchtung von innen. So bleibt ein zentraler Schutzmechanismus der Atemwege erhalten, obwohl die natürliche Funktion der Nase umgangen wird.

Siehe auch: Beatmung (maschinelle Beatmung), Trachealkanüle, Sekretmanagement, Absaugen

Atelektase

Eine Atelektase ist ein Lungenabschnitt, der nicht mehr richtig mit Luft gefüllt ist und in sich zusammenfällt. Die betroffenen Lungenbläschen (Alveolen) sind kollabiert, sodass dort kein Gasaustausch mehr stattfindet – der Körper nimmt in diesem Bereich keinen Sauerstoff auf. Atelektasen können kleine Bezirke oder größere Lungenabschnitte betreffen.

Wie entstehen Atelektasen? Begünstigt werden sie durch flache Atmung, langes Liegen in einer Position, einen schwachen Hustenstoß, zähes Sekret, das die Atemwege verstopft, sowie durch eine Beatmung. Besonders gefährdet sind deshalb bettlägerige und beatmete Menschen sowie Personen mit Erkrankungen, die das Abhusten erschweren. Auch Schmerzen, die das tiefe Durchatmen behindern, können eine Rolle spielen.

Warum sind Atelektasen problematisch? Sie verschlechtern die Sauerstoffaufnahme und können sich zu einer Lungenentzündung weiterentwickeln, weil sich in den schlecht belüfteten Bereichen leicht Sekret und Keime ansammeln. Atelektasenprophylaxe und Pneumonieprophylaxe gehören deshalb eng zusammen.

Wie lassen sich Atelektasen vermeiden und behandeln? Wirksam ist ein Bündel an Maßnahmen: regelmäßige Atemtherapie und Atemübungen, die die Lunge vollständig belüften, häufige Mobilisation und Lagerungswechsel, ein gutes Sekretmanagement mit rechtzeitigem Absaugen sowie geeignete Beatmungseinstellungen. Eine besondere Rolle spielt dabei der PEEP – ein leichter Restdruck am Ende der Ausatmung –, der die Lungenbläschen offen hält und so dem Kollaps vorbeugt. Auch atemstimulierende Lagerungen und der Einsatz von Atemtrainern können helfen, kollabierte Bereiche wieder zu eröffnen. Werden Atelektasen früh erkannt und konsequent behandelt, lassen sich schwerwiegende Komplikationen häufig verhindern. Die Pflege achtet deshalb auf Warnzeichen wie eine sinkende Sauerstoffsättigung, veränderte Atemgeräusche oder eine erschwerte Atmung und leitet rechtzeitig geeignete Maßnahmen ein.

Da Atelektasen häufig schleichend entstehen, sind die täglichen vorbeugenden Maßnahmen so wichtig: konsequente Atemtherapie, regelmäßige Lagerungswechsel, Mobilisation und ein gutes Sekretmanagement. Die Pflege achtet auf Warnzeichen wie eine sinkende Sauerstoffsättigung, abgeschwächte Atemgeräusche oder eine erschwerte Atmung. Werden solche Hinweise früh bemerkt und gemeldet, lassen sich kollabierte Lungenbereiche oft wieder eröffnen, bevor eine Lungenentzündung entsteht – Vorbeugung und frühe Reaktion gehen hier Hand in Hand.

Siehe auch: Pneumonieprophylaxe, Atemtherapie, PEEP, Sekretmanagement

Aspiration

Von Aspiration spricht man, wenn Speichel, Nahrung, Flüssigkeit oder Mageninhalt in die Luftröhre und die Lunge gelangt, statt – wie vorgesehen – in die Speiseröhre und den Magen. Normalerweise verhindern Schutzreflexe wie der Hustenreflex und der Schluckakt dieses „Verschlucken“. Sind diese Reflexe gestört, steigt das Aspirationsrisiko erheblich.

Wer ist besonders gefährdet? Vor allem Menschen mit einer Schluckstörung (Dysphagie), mit Bewusstseinsstörungen, mit einer Trachealkanüle oder nach langer Beatmung. Auch nach einem Schlaganfall, bei neurologischen Erkrankungen oder bei stark geschwächtem Hustenstoß ist das Risiko erhöht. Aspiration kann „lautstark“ mit Husten und Würgen auftreten, aber auch „still“ verlaufen, ohne dass der Betroffene es bemerkt – was sie besonders tückisch macht.

Welche Folgen kann Aspiration haben? Akut drohen Husten, Atemnot, ein Verlegen der Atemwege und ein Abfall der Sauerstoffsättigung. Längerfristig ist die Aspiration eine der häufigsten Ursachen für eine Aspirationspneumonie, also eine Lungenentzündung durch eingedrungenes Material, Bakterien oder Magensäure. Wiederholte Aspirationen können die Lunge dauerhaft schädigen.

Wie wird Aspiration vermieden? In der Intensivpflege spielt die Vorbeugung eine zentrale Rolle. Dazu gehören eine an die Schluckfähigkeit angepasste Kostform (etwa angedickte Flüssigkeiten), eine aufrechte Lagerung beim Essen und danach, ein sorgfältiges Schluckmanagement gemeinsam mit der Logopädie, das Blocken des Cuffs der Trachealkanüle in Risikosituationen sowie rechtzeitiges Absaugen oberhalb des Cuffs. Lässt sich eine sichere orale Ernährung dauerhaft nicht gewährleisten, kann eine Ernährung über eine Sonde wie die PEG-Sonde notwendig werden, um Aspirationen zu vermeiden. Eine aufmerksame Krankenbeobachtung hilft, auch stille Aspirationen frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern.

Für Angehörige ist es wichtig, die Warnzeichen einer Aspiration zu kennen: Husten oder Würgen beim Essen, eine „feuchte“, gurgelnde Stimme, häufiges Verschlucken oder wiederkehrende Atemwegsinfekte. Da auch stille Aspirationen ohne Husten vorkommen, sind eine ruhige Essbegleitung, kleine Bissen, eine aufrechte Haltung und das Beachten der von der Logopädie empfohlenen Kostform entscheidend. Bei Verdacht auf wiederholte Aspirationen sollte unbedingt ärztlicher und logopädischer Rat eingeholt werden.

Siehe auch: Dysphagie (Schluckstörung), Pneumonie (Lungenentzündung), Sekretmanagement, Cuff

Absaugen

Absaugen ist eine der häufigsten und zugleich wichtigsten Maßnahmen in der Beatmungspflege. Dabei werden Schleim und Sekret aus den Atemwegen entfernt, die ein Mensch nicht mehr selbst abhusten kann. Über einen dünnen, weichen Absaugkatheter, der mit einem Absauggerät verbunden ist, wird das Sekret schonend abgesaugt – entweder aus Mund und Rachen (orales bzw. oropharyngeales Absaugen) oder über die Trachealkanüle direkt aus der Luftröhre (endotracheales Absaugen).

Warum ist Absaugen so wichtig? Freie Atemwege sind die Grundvoraussetzung für eine funktionierende Atmung und Beatmung. Staut sich Sekret, kann das die Beatmung behindern, zu Sauerstoffmangel führen, Alarme am Beatmungsgerät auslösen und das Risiko einer Lungenentzündung deutlich erhöhen. Gerade Menschen mit geschwächtem Hustenstoß – etwa bei neuromuskulären Erkrankungen oder nach langer Beatmung – sind auf regelmäßiges Absaugen angewiesen.

Wie oft muss abgesaugt werden? Das ist individuell sehr unterschiedlich und richtet sich nach der Sekretmenge und der jeweiligen Situation – mal nur selten, mal sehr häufig. Pauschale Zeitpläne sind weniger sinnvoll als das Absaugen nach Bedarf, also dann, wenn Anzeichen wie hörbare Rasselgeräusche, Atemnot, sinkende Sauerstoffsättigung oder steigende Beatmungsdrücke auftreten.

Worauf kommt es beim Absaugen an? Entscheidend sind sauberes, möglichst keimarmes Arbeiten, die richtige Technik, die passende Kathetergröße und ein behutsames Vorgehen, denn Absaugen kann für die Betroffenen unangenehm und belastend sein. Vor dem Absaugen wird oft mit Sauerstoff angereichert, um einem Abfall der Sättigung vorzubeugen; während des Vorgangs wird der Mensch genau beobachtet. Eine gute Atemluftbefeuchtung erleichtert das Absaugen, weil das Sekret dann weniger zäh ist. In der außerklinischen Intensivpflege gehört sicheres, einfühlsames Absaugen zu den Kernkompetenzen der Pflegefachkräfte und wird auch beim Anleiten von Angehörigen besonders sorgfältig vermittelt.

Für Angehörige, die das Absaugen erlernen möchten, gilt: Lassen Sie sich Zeit und ausführlich anleiten, bis Sie sich sicher fühlen – Hygiene und Technik müssen sitzen. Ein gutes Sekretmanagement, eine ausreichende Atemluftbefeuchtung und genug Flüssigkeit halten das Sekret dünnflüssig und können die Häufigkeit des oft unangenehmen Absaugens verringern. Achten Sie zudem auf Warnzeichen wie Rasselgeräusche oder eine sinkende Sauerstoffsättigung, die anzeigen, wann abgesaugt werden sollte.

Siehe auch: Sekretmanagement, Trachealkanüle, Tracheostoma, Atemluftbefeuchtung („künstliche Nase“)