Das Atemzugvolumen – fachlich Tidalvolumen genannt – ist die Luftmenge, die bei einem einzelnen Atemzug ein- oder ausgeatmet wird. Bei der maschinellen Beatmung ist es einer der zentralen Einstellwerte und bestimmt maßgeblich, wie gut und wie schonend die Lunge belüftet wird.
Wie wird das Atemzugvolumen bei der Beatmung gesteuert? Das hängt vom gewählten Beatmungsmodus ab. Bei der volumenkontrollierten Beatmung gibt das Beatmungsgerät ein festes Atemzugvolumen vor und liefert genau diese Luftmenge mit jedem Atemzug. Bei der druckkontrollierten Beatmung wird stattdessen ein bestimmter Druck eingestellt; das tatsächliche Atemzugvolumen ergibt sich dann aus diesem Druck und den Eigenschaften der Lunge. Beide Verfahren haben Vor- und Nachteile und werden je nach Erkrankung und Therapieziel gewählt.
Warum muss das Atemzugvolumen sorgfältig angepasst werden? Weil sowohl ein zu kleines als auch ein zu großes Volumen schaden kann. Ist es zu klein, wird die Lunge nicht ausreichend belüftet; es drohen Sauerstoffmangel, ein Anstieg des Kohlendioxids und die Bildung von Atelektasen. Ist es zu groß, kann das empfindliche Lungengewebe überdehnt und langfristig geschädigt werden – ein Phänomen, das in der Fachwelt als beatmungsassoziierter Lungenschaden bekannt ist. Deshalb orientiert sich das richtige Atemzugvolumen unter anderem am Körpergewicht und an der Erkrankung.
Wer legt den Wert fest, und wer überwacht ihn? Das Atemzugvolumen wird ärztlich festgelegt und individuell angepasst. Die Pflegefachkräfte überwachen im Rahmen des Monitorings, ob die eingestellten Werte eingehalten werden und gut vertragen werden, und achten auf Alarme des Beatmungsgeräts. Gemeinsam mit der Atemfrequenz, dem Beatmungsdruck und dem PEEP bestimmt das Atemzugvolumen, wie wirksam und zugleich lungenschonend die Beatmung ist. Veränderungen – etwa ein plötzlich abfallendes Volumen – können auf ein Problem wie eine Leckage oder eine Verlegung hinweisen und erfordern rasches Handeln.
Für Angehörige ist es weniger wichtig, die genauen Zahlenwerte zu kennen, als zu verstehen, dass die Beatmungseinstellungen sorgfältig vom Arzt festgelegt und nicht eigenmächtig verändert werden dürfen. Auffälligkeiten wie ein plötzlich abweichendes Atemzugvolumen, ungewohnte Alarme oder eine veränderte Atmung sollten umgehend der Pflegekraft gemeldet werden, da sie auf ein Problem hinweisen können. Die kontinuierliche Überwachung dieser Werte durch geschultes Personal ist ein zentraler Sicherheitsbaustein der Beatmung.
Siehe auch: Beatmungsmodus, PEEP, Respirator (Beatmungsgerät)