Angehörige sind in der außerklinischen Intensivpflege weit mehr als Besucher – sie sind ein wichtiger und oft tragender Teil des Versorgungsumfelds. Sie kennen den pflegebedürftigen Menschen, seine Lebensgeschichte, seine Gewohnheiten und Wünsche am besten und tragen entscheidend dazu bei, dass die Versorgung individuell, menschlich und an der Persönlichkeit des Betroffenen ausgerichtet bleibt.
Wie werden Angehörige eingebunden? Wenn sie es möchten, werden Angehörige eng in die Versorgung einbezogen, geschult und im Umgang mit Geräten, mit der Trachealkanüle, mit dem Absaugen und mit Notfallsituationen angeleitet. Diese Einbindung erfolgt im Tempo der Angehörigen und immer freiwillig. Sie schafft Vertrauen, Sicherheit und Handlungsfähigkeit und stärkt das Gefühl, nicht hilflos zu sein.
Müssen Angehörige die Verantwortung tragen? Nein – und das ist ein wichtiger Punkt. Die außerklinische Intensivpflege ist so organisiert, dass die medizinische und fachpflegerische Verantwortung bei den qualifizierten Pflegefachkräften liegt. Angehörige müssen sich also nicht aufopfern und nicht die fachliche Verantwortung übernehmen. Sie dürfen Angehörige bleiben – Partner, Eltern, Kinder, Freunde –, statt rund um die Uhr „Pflegekraft“ sein zu müssen.
Warum ist die Entlastung der Angehörigen so wichtig? Die dauerhafte Sorge um einen intensivpflegebedürftigen Menschen kann körperlich und seelisch sehr belastend sein. Deshalb sind Entlastung und Selbstfürsorge keine Nebensache. Hilfreich sind Leistungen wie Verhinderungs- und Kurzzeitpflege, der Entlastungsbetrag, Beratungsangebote sowie der Austausch mit anderen Betroffenen, etwa in Selbsthilfegruppen. Es ist kein Versagen, Unterstützung anzunehmen oder Pausen zu brauchen – im Gegenteil, es hilft, die Kraft langfristig zu erhalten. Eine gute, vertrauensvolle Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen Pflegeteam und Angehörigen kommt am Ende allen zugute – vor allem dem pflegebedürftigen Menschen, der von der Verbindung aus fachlicher Sicherheit und vertrauter Nähe profitiert.
Siehe auch: Verhinderungspflege, Teilhabe und Selbstbestimmung, Pflegeberatung und Pflegestützpunkt