Aktivierende Pflege ist ein Grundprinzip moderner Pflege. Statt dem Menschen einfach alle Tätigkeiten abzunehmen, unterstützt die Pflegekraft ihn dabei, möglichst viel selbst zu tun – nach dem bewährten Leitsatz „so viel Hilfe wie nötig, so wenig wie möglich“. Vorhandene Fähigkeiten werden dabei gezielt erhalten, gefördert und, wo möglich, wieder aufgebaut.
Warum ist dieser Ansatz so wichtig? Wer Tätigkeiten dauerhaft komplett abgenommen bekommt, verliert mit der Zeit Fähigkeiten, Muskelkraft und Selbstvertrauen. Aktivierende Pflege wirkt dem entgegen: Sie hält Muskeln, Gelenke und Kreislauf in Bewegung, beugt Folgeproblemen wie Muskelabbau, Kontrakturen und Thrombosen vor und stärkt das Selbstwertgefühl. Der Mensch erlebt sich nicht als reines „Pflegeobjekt“, sondern als aktiv Beteiligten.
Wie sieht aktivierende Pflege in der Intensivpflege konkret aus? Auch bei hohem Pflegebedarf gibt es viele Möglichkeiten zur Beteiligung – etwa beim Waschen, beim Anziehen, beim Essen, beim Umlagern oder bei der Kommunikation. Schon kleine Beiträge zählen: das eigenständige Halten eines Waschlappens, das Mithelfen beim Drehen, das Mitentscheiden über den Tagesablauf. Bei beatmeten Menschen kann das Training der Eigenatmung im Sinne des Weanings ebenfalls Teil eines aktivierenden Ansatzes sein.
Worauf wird dabei geachtet? Aktivierende Pflege orientiert sich stets an den individuellen Fähigkeiten, Wünschen, Gewohnheiten und an der Tagesform. Sie darf nicht in Überforderung umschlagen: An manchen Tagen ist mehr möglich als an anderen. Wichtig ist, den Menschen zu motivieren und ihm Zeit zu lassen, statt aus Zeitdruck alles abzunehmen. So verbindet die aktivierende Pflege pflegerische Sicherheit mit Selbstbestimmung, Würde und Teilhabe. Sie ist damit kein zusätzliches „Programm“, sondern eine Haltung, die in alle pflegerischen Handlungen einfließt – und ein wichtiger Beitrag zu Lebensqualität und zum Erhalt von Selbstständigkeit, gerade in einer langfristigen Versorgungssituation.
Siehe auch: Teilhabe und Selbstbestimmung, Mobilisation, Grundpflege