Dekanülierung bedeutet, die Trachealkanüle dauerhaft zu entfernen, weil sie nicht mehr benötigt wird. Sie ist eines der wichtigsten Therapieziele in der Versorgung von Menschen mit Tracheostoma: Wer wieder sicher selbst atmen, schlucken und abhusten kann, braucht keinen künstlichen Atemweg mehr. Nach der Entfernung der Kanüle verschließt sich das Tracheostoma in der Regel von selbst und heilt zu.
Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein? Vor einer Dekanülierung muss sichergestellt sein, dass der Mensch ohne Kanüle ausreichend selbst atmet, seine Atemwege durch eigenes Abhusten frei halten kann und keine relevante Aspirationsgefahr mehr besteht. Häufig sind das die Ergebnisse eines längeren, schrittweisen Prozesses.
Wie läuft der Weg zur Dekanülierung typischerweise ab? Meist geht ihr eine erfolgreiche Beatmungsentwöhnung (Weaning) voraus. Anschließend wird der Cuff zunehmend entblockt, die Eigenatmung über die oberen Atemwege wird trainiert, oft mithilfe eines Sprechventils, und die Kanüle wird gegebenenfalls verkleinert oder zeitweise verschlossen, um zu prüfen, ob die Atmung über die natürlichen Wege ausreicht. Begleitet wird dieser Prozess häufig durch die Logopädie, die das sichere Schlucken überprüft und trainiert, sowie durch Atemtherapie.
Wer entscheidet darüber? Ob und wann eine Dekanülierung möglich ist, wird sorgfältig ärztlich beurteilt und im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Potenzialerhebung regelmäßig geprüft. Eine vorschnelle Dekanülierung wäre gefährlich, eine unnötig lange Kanülenträgerschaft aber ebenfalls nicht wünschenswert – deshalb ist die wiederkehrende, neutrale Prüfung des Potenzials so wichtig. Für viele Betroffene bedeutet eine erfolgreiche Dekanülierung einen großen Gewinn an Lebensqualität: Sie können wieder freier atmen, leichter sprechen und essen und sind nicht mehr auf die aufwendige Kanülenpflege angewiesen.
Für Betroffene und Angehörige ist die Aussicht auf eine Dekanülierung ein motivierendes Ziel – zugleich braucht der Weg dorthin Geduld und darf nicht überstürzt werden, da Atmung und Schlucken sicher funktionieren müssen. Wird die Kanüle entfernt, ist das oft ein großer, emotional bedeutsamer Schritt. Selbst wenn eine vollständige Dekanülierung nicht möglich ist, können Teilschritte wie längere Sprechventilphasen die Lebensqualität verbessern. Die regelmäßige Potenzialerhebung stellt sicher, dass die Chance dazu im Blick bleibt.
Siehe auch: Potenzialerhebung, Weaning, Trachealkanüle, Entblockung (Cuff-Management)