Absaugen ist eine der häufigsten und zugleich wichtigsten Maßnahmen in der Beatmungspflege. Dabei werden Schleim und Sekret aus den Atemwegen entfernt, die ein Mensch nicht mehr selbst abhusten kann. Über einen dünnen, weichen Absaugkatheter, der mit einem Absauggerät verbunden ist, wird das Sekret schonend abgesaugt – entweder aus Mund und Rachen (orales bzw. oropharyngeales Absaugen) oder über die Trachealkanüle direkt aus der Luftröhre (endotracheales Absaugen).
Warum ist Absaugen so wichtig? Freie Atemwege sind die Grundvoraussetzung für eine funktionierende Atmung und Beatmung. Staut sich Sekret, kann das die Beatmung behindern, zu Sauerstoffmangel führen, Alarme am Beatmungsgerät auslösen und das Risiko einer Lungenentzündung deutlich erhöhen. Gerade Menschen mit geschwächtem Hustenstoß – etwa bei neuromuskulären Erkrankungen oder nach langer Beatmung – sind auf regelmäßiges Absaugen angewiesen.
Wie oft muss abgesaugt werden? Das ist individuell sehr unterschiedlich und richtet sich nach der Sekretmenge und der jeweiligen Situation – mal nur selten, mal sehr häufig. Pauschale Zeitpläne sind weniger sinnvoll als das Absaugen nach Bedarf, also dann, wenn Anzeichen wie hörbare Rasselgeräusche, Atemnot, sinkende Sauerstoffsättigung oder steigende Beatmungsdrücke auftreten.
Worauf kommt es beim Absaugen an? Entscheidend sind sauberes, möglichst keimarmes Arbeiten, die richtige Technik, die passende Kathetergröße und ein behutsames Vorgehen, denn Absaugen kann für die Betroffenen unangenehm und belastend sein. Vor dem Absaugen wird oft mit Sauerstoff angereichert, um einem Abfall der Sättigung vorzubeugen; während des Vorgangs wird der Mensch genau beobachtet. Eine gute Atemluftbefeuchtung erleichtert das Absaugen, weil das Sekret dann weniger zäh ist. In der außerklinischen Intensivpflege gehört sicheres, einfühlsames Absaugen zu den Kernkompetenzen der Pflegefachkräfte und wird auch beim Anleiten von Angehörigen besonders sorgfältig vermittelt.
Für Angehörige, die das Absaugen erlernen möchten, gilt: Lassen Sie sich Zeit und ausführlich anleiten, bis Sie sich sicher fühlen – Hygiene und Technik müssen sitzen. Ein gutes Sekretmanagement, eine ausreichende Atemluftbefeuchtung und genug Flüssigkeit halten das Sekret dünnflüssig und können die Häufigkeit des oft unangenehmen Absaugens verringern. Achten Sie zudem auf Warnzeichen wie Rasselgeräusche oder eine sinkende Sauerstoffsättigung, die anzeigen, wann abgesaugt werden sollte.
Siehe auch: Sekretmanagement, Trachealkanüle, Tracheostoma, Atemluftbefeuchtung („künstliche Nase“)